Ich wollte sowieso einen Neujahrsartikel schreiben. Das ist ja auch so etwas, wie ein kleines Ritual. Und wir ADS-ler brauchen Rituale.

Zu allererst möchte ich von ganzem Herzen Dank sagen. Danke an die über tausend Lesern, die meinen Newsletter bestellt haben und damit ihr ehrliches Interesse an diesem Thema deutlich machen.

Für Sie sind mein Team und ich da.

Und für Sie wollen wir unser Bestes geben. Danke ! …
Zugleich möchte ich auch als Wertschätzung für Sie eine ganz intime Erfahrung teilen, die mir heute passiert ist.

Ich kam also aus meiner Jahreswechsel Klausur zurück und las die Posts auf meiner Fanpage.
Mit der Stimmung der Diskussionen auf der Seite hatte ich schon im vergangenen Jahr ein wenig meine Probleme. Ich war mir sicher, dass dieses ADHS-Thema kontrovers diskutiert werden würde. Hatte allerdings nicht mit so polemischen Angriffen und so großer gegenseitiger Missachtung gerechnet.
Dabei hätte ich es wissen müssen. Schließlich habe ich pro Monat mindestens 100 Gespräche mit Eltern und Lehrern, die mir genau solche Auseinandersetzungen schildern. Und schildern ihre dadurch entstandenen tiefen persönlichen Verletzungen, aber besonders auch die enormen Verletzungen in den Seelen der Kinder und Jugendlichen. Deren Reaktion darauf dann Missachtungen der Umwelt und Aggressionen bis zu kriminellen Handlungen sind. Tja und dann… wollen die meisten Ratschläge von mir und Rezepte. Sie sind ja schließlich beim Arzt. Aber Ratschläge sind eben auch nur Schläge. Und ich habe keine Lust drauf, solche zu erteilen.

Also versuche ich, mich in die Lage der Eltern und der Lehrer hineinzuversetzen, um gemeinsam Lösungen zu finden.

Seit heute ist mir das ganz nahe gekommen und ich kann nun wirklich voll nach- und mitempfinden.

Und das kam so:

Als ich heute die Blog Diskussion vom Jahreswechsel verfolgte und ich las, wie mit aufgeschaukelten Gefühlen die Integrität der Schreibenden gegenseitig in den Beiträgen verletzt wurde, schwoll mir der Kamm. Dazu kam, dass ich mich auch persönlich angegriffen fühlte in meiner Kompetenz als Ärztin…. Ich habe schließlich viel Geld und viel Zeit investiert, diese Seiten und Informationen zu erstellen. Für mich hätte ich das schließlich nicht nötig gehabt. Seit 40 Jahren bin ich als Ärztin anerkannt. Und seit 25 Jahren läuft meine selbstständige Praxis mehr als super. Es kommen nicht nur Patienten aus meiner direkten Umgebung, sondern auch aus dem Umland von Berlin. Und einige fahren sogar 2 Stunden über die Autobahn, um bei uns in der Praxis behandelt zu werden.

Patienten und auch Lehrer haben mich in der Vergangenheit immer wieder aufgefordert, mein Wissen breiter zur Verfügung zu stellen. Damit ihre Verwandten und Bekannten, die nicht nach Berlin in meine Praxis kommen können, davon profitieren.

So hatte ich mich entschlossen, Zeit und Geld zu investieren, um diese Möglichkeit zu schaffen.
Ich könnte ja auch meine wohlverdiente Rente genießen. (siehe Link zum „Hotelsprung!)
Meine Hoffnung und meine Vorstellung war es aber, dass dies als Hilfe angenommen werden würde. Und daraus eine sich gegenseitig befruchtende Diskussion und ein Erfahrungsaustausch zwischen Betroffenen, Eltern, Lehrern und Therapeuten und vielleicht auch Ärzten werden könnte.

Aber, wie das so ist, wenn ich Stress und Frust haben will, mache ich mir Hoffnungen und Vorstellungen. So erzähle ich das jedenfalls immer in meiner Sprechstunde. Na toll! Da bin ich doch selbst in die Falle geraten.

Wie kommt man aus solcher Falle wieder raus?

Das habe ich doch in meinen Tipps deutlich gemacht, fiel mir ein…:-)…

Und diese Tipps haben mir heute selbst aus der Falle geholfen:
Zuerst tief Luft holen, Sauerstoff tanken, tief und kräftig ausatmen, damit die Säure aus dem Körper abgebaut wird. Übrigens ein Trick, den die Rennfahrer anwenden, um die „Schikanen“ gut zu meistern.

Zweitens: Abstand herstellen. Ich habe mir bewusst gemacht, dass es hier doch gar nicht um mich geht. Selbst dann nicht, wenn ich angegriffen werde. Ich bin hier überhaupt nicht wichtig. Und erst recht nicht meine Befindlichkeiten. Diesen Gedanken bei mir durchzusetzen, war gar nicht so einfach. Dabei kamen mir die frustrierten und auch wütenden Augen meiner Patienten in der Sprechstunde in den Sinn. Wie gut konnte ich sie nun verstehen. Nur, dass dies eben auch keine echte Hilfe ist….also musste ich mir bewusst machen:

Meine Mitstreiter und ich, wir haben diesen Blog und alles drumherum nicht für uns erstellt, sondern für Sie da draußen.

Ob Sie diese Chance für sich positiv nutzen oder sich selbst durch negative und aggressive Gefühlsausbrüche schaden, muss ich schon im vollen Vertrauen auf ihre Fähigkeiten und Potenziale Ihnen selbst überlassen.

So habe ich mich entschlossen, nur Angriffe unter der Gürtellinie vom Blog zu verweisen.
Ehrliche und direkte Anfragen an mich, werde ich ganz persönlich und ebenso direkt beantworten. Vielleicht nicht gleich am selben Tag, aber auf jeden Fall im Laufe der Woche.

Zu generellen Fragen wird weiterhin auch mein Team, in enger Absprache mit mir Posts und Videos mit Meinungsäußerungen veröffentlichen.
Dazu gehören auch wissenschaftliche Hinweise zu neuesten therapeutischen Methoden und Entwicklungen.
….siehe: Neurofeedback-Methode, Meditationsübungen, sensomotorische und neurophysiologische Behandlungsmethoden, Quantenmedizin……

Ich möchte hier aber auch noch einmal ganz deutlich sagen:

ADHS kann man nicht heilen, weil es keine Krankheit ist.

Und es ist auch nichts, was man weg machen muss. Im Gegenteil, im Ursprünglichen ist es ein besonderes Potenzial, welches meistens, weil verkannt, ungenutzt schlummert.

Aber es ist wichtig, die Auswirkungen, die die Lebensqualität und das Lernen bei den Betroffenen behindern, zu behandeln. Und dafür gibt es viele Wege. Jeder sollte sich den suchen, der für ihn stimmig ist. Siehe oben! Und gerne bin ich bereit, dabei zu helfen. Ja, und dafür ist es notwendig, Engagement, Zeit und auch Geld zu investieren.

Ich bin sehr dankbar, das Potenzial eines ADH-lers zu haben. Unser Gehirn arbeitet anders. Wir ticken anders. Wir nehmen anders wahr und fühlen anders.

Deshalb:

ADHS bedeutet nicht, krank zu sein, sondern Anders zu Denken, anders zu Handeln und anders zu Sein als die meisten Menschen. Und das ist gut so! 

Ich lade Sie herzlich ein, diesen Blog für den Erfahrungsaustausch und die gegenseitige Stärkung zu nutzen. ADHS-Betroffene verdienen weder unsere Beschimpfungen noch unser Mitleid. Es sind Menschen, egal ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene, die wie jeder andere auch, der Wertschätzung, des Mitgefühls und der Liebe bedürfen.

Dr. med Käte Niederkirchner
Dr.med. Käte Niederkirchner

„Die Liebe ist das einzige, das in uns wächst, indem wir es außen verschwenden.“

Die Welt, und damit jeder von uns, braucht das im Moment dringender, als jemals zuvor.