Eines Tages kamen die Eltern von Nina gemeinsam mit ihrer süßen Tochter Nina zu mir in meine Sprechstunden. Wie immer saßen vor mir wieder einmal besorgte Eltern. Die Schule hatte sie zu mir in die Sprechstunde geschickt.

In der dritten Klasse ist Nina mit ihrem Zeugnis ein bisschen schlechter geworden. Und die Lehrerinnen haben gemeint: „Gehen Sie doch mal zum Arzt oder Psychologen.

Ihr Kind hat vermutlich ADHS.

Und die Eltern bestätigen mir: „Ja sie ist sehr zappelig in der Schule, quatscht viel rum, hört nicht zu, auch wenn man sie direkt anspricht und man muss ihr alles 10 mal sagen“.

Aber sie ist ein sehr fröhliches Mädchen und ein richtiger Spring ins Feld, stelle ich fest.

Die Eltern sind sich mit dem ADHS aber nicht so sicher. Sie würden es noch als normal sehen. Aber von außen bekommen Sie die Meldung, dass das nicht normal sei, sondern eher „auffällig“.

Außerdem hat die Lehrerin das Gefühl, dass dadurch, dass Nina nicht zuhört, sie auch nicht genug lernt, obwohl ihre Zensuren gar nicht so schlecht sind.

Nina selbst fühlt sich in de Schule nicht wohl. Sie hat den Eindruck, dass die Lehrerin sie nicht leiden kann und immer das Gefühl, dass sie alles falsch macht und dass sie es niemandem Recht machen kann.

Das Gefühl nicht anerkannt zu werden und von den Erwachsenen nicht verstanden zu werden, begleitet sie schon die ganze Schulzeit.

Die Eltern sind sehr unglücklich und in Sorge darüber, dass Nina in der Schule versagen könnte.

Die Eltern wollen von mir eine Einschätzung haben, eigentlich eine Bestätigung, dass ihr Kind kein ADHS hat.

In meiner Praxis ist es in den meisten Fällen bereits vor dem Erstgespräch üblich, eine Diagnostik durchzuführen.

„Wie bitte? Wie soll das denn gehen? Eine Diagnose schon vor dem ersten Gespräch?“, fragen die Eltern immer erstaunt.

„Nein sie müssen vorher die Standard Tests und die ärztliche Grundlagenuntersuchung machen. Augen Test, HNO, EKG, EEG, Blutentnahme und Orthopädie. Bei den meisten Untersuchungen, weit über 90% stellt sich natürlich heraus, dass diese Kinder alle gesund sind.

Nur zwei Befunde zeigen zu 99% Auffälligkeiten.

Das sind der Orthopädie Befund und der EEG Befund, der die Hirnströme darstellt. Wobei die Hirnströme meistens sehr unruhig und ohne wirklich krankhafte Auffälligkeiten sind.

Diese Untersuchungen lasse ich alle machen, um erstens festzustellen, dass nichts Ernstes vorliegt, aber vor allem, um Ihnen als Eltern zu zeigen und zu beweisen, dass ihr Kind nicht krank, sondern vollkommen gesund ist. Und ohne diesen Beweis, ohne diese Untersuchungsergebnisse, die „Schwarz auf Weiß“ da stehen, würden Sie mir dies ja vielleicht nicht einmal glauben.

Außerdem führen wir weitere Tests durch. Wir testen die kognitiv-verbale Intelligenz und die Handlungs-Intelligenz, wir testen die visuelle Wahrnehmung und die praktische Umsetzung und außerdem noch die Aufmerksamkeit und den Arbeitsspeicher des Gehirns.

Hierbei gibt es, wie bei Orthopädie und EEG, typische Auffälligkeiten.

Bei der Orthopädie ergibt sich, dass der Halteteil der Muskulatur schwach entwickelt ist,
weshalb diese Kinder ständig zappeln. Damit halten sie sich aufrecht. Das ist ihre Art, den schwachen Muskeltonus zu kompensieren.

Im EEG zeigt sich die Unruhe dieser Kinder in ihren Hirnströmen.

Im IQ-Test zeigt sich in den meisten Fällen eine gute bis sehr gute sprachlich-kognitive Intelligenz. Andererseits ist die handlungspraktische Intelligenz und die Orientierung dieser Kinder in den meisten Fällen im unteren Normbereich.

In der visuellen Wahrnehmung und Umsetzung fällt auf, dass diese Kinder Lücken in der Aufmerksamkeit haben, wodurch die Hand immer was anderes macht, als die Kinder wollen.

Was natürlich auffällt ist, dass der Arbeitsspeicher im Gehirn dieser Kinder kleiner ist, als im Durchschnitt und dadurch die Aufmerksamkeit herabgesetzt ist.

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Alle diese Dinge treffen bei Nina zu. Nicht dramatisch aber doch deutlich.

Da saßen nun die Eltern, mit Angst in den Augen und ihre Gesichter sprachen Bände: „Hat mein Kind nun wirklich ADHS?“. Die Hoffnung immer mit dabei, dass diese Diagnose nicht wahr sei.

Nina saß zwischen ihren angstvollen Eltern, mit der selben Hoffnung, die auch ihre Eltern hatten: „Bitte bitte, lass das bloss nicht wahr sein“.

Ich sprach: „Tja, sie wollen eigentlich von mir jetzt die Bestätigung haben, dass Ihr Kind kein ADHS hat, oder? Sie haben ein ganz besonderes tolles Kind. Der liebe Gott hat Ihnen ein ganz besonders gutes Kind geschenkt.“

Dann gucken mich die Eltern immer mit großen, entsetzten und fragenden Augen an, nach dem Motto: „Das meinen Sie doch nicht ernst, oder?“

Meine Antwort darauf lautet: „Es ist ein tolles Kind, nur ein bisschen anstrengend.“

In dem Fall haben die Eltern gesagt: „Also hat Nina doch ADHS“.

Woraufhin Nina zu weinen anfing. Die Eltern waren natürlich sofort bemüht ihr Kind zu beruhigen und zu trösten: „Das ist doch nicht so schlimm“.

Ich musste mich dazwischen schalten, damit Nina die Ruhe hatte, mit diesem Schrecken umzugehen. Ich fragte sie: „Was ist der Grund, dass Du jetzt weinen musst?“. Da ich mit meinem Herzen bei diesem Kind war, konnte ich ihr diese Frage stellen. Sonst hätte man solch eine Frage an dieser Stelle nicht stellen können.

Sie antwortete: „Bin ich dann wie die anderen Kinder aus meiner Klasse, die ADHS haben? Ich will nicht so sein. Ich will normal sein. Ich will, dass man mich leiden kann“.

Ich guckte ihr in die Augen und sagte: „Du bist so wie Du bist. Und Du bist richtig so. Und Du bist einzigartig, so wie Du bist. Und das ist gut so.“

Ich guckte die Eltern an und sagte: „Jetzt hab ich Ihnen bestimmt einen enormen Schock verpasst, oder?“.

Die Eltern nickten. Sie waren von der Nachricht sichtlich benommen. Es entstand eine Pause, in der Niemand etwas sagte. Ich kenne diese Stille sehr gut. Es ist die Zeit, die die Eltern brauchen, um diese Nachricht erstmal anzunehmen.

„Es gibt keinen Grund schockiert zu sein“ sage ich immer an dieser Stelle „denn ADHS ist keine Krankheit“. Ich guckte die Eltern an und wiederholte langsam meinen letzten Satz: „ADHS ist keine Krankheit“.

„Es ist natürlich nicht einfach für Sie als Eltern. Weil diese Kinder etwas anstrengender sind, als die sogenannten Normalen. Aber seien Sie beruhigt, es gibt sogenannte normale Kinder, die viel anstrengender sind. Ihr Kind, mit seinem ADHS, ist ein großes Geschenk. Aufgrund ihrer Eigenheiten sind diese Kinder besonders kreativ.

Sie besitzen ein liebevolles Herz und eine große Seele.

Sie besitzen die Fähigkeit, Dinge zu spüren und Informationen aufzunehmen, die andere Menschen nicht so wahrnehmen. Seien Sie sich bewusst, sie haben ein wundervolles, tolles Kind. Und wenn es sie beruhigt, alle Großen Menschen die Sie kennen, von Leonardo Da Vinci, über Albert Einstein bis Steve Jobs, der Apple Gründer und viele große Schauspieler und Künstler hatten und haben alle ADHS. Die Welt braucht ADHS und diese Großen Seelen, damit sie Veränderung und Güte in die Welt bringen.“

Kinder reagieren auf diese Art von Wertschätzung viel schneller als ihre Eltern. Ninas Tränen gingen daraufhin in ein sanftes Lächeln über. Sie begann zu strahlen und die Eltern atmeten erleichtert auf.

An dieser Stelle fragen die Eltern mich immer: „Und? Was können wir tun?“.
Eltern wollen immer was tun, was ihren Kindern das Leben leichter macht. Als müssten die Kinder es immer leicht haben. Das wollen die Kinder gar nicht. Aber Eltern denken das immer.

Ich antworte: „Sie müssen gar nichts tun, außer für Ihr Kind wirklich da zu sein. Mit „wirklich da sein“ meine ich, Sie müssen einfach mit Aufmerksamkeit für ihr Kind da sein und diesem besonderen Kind das Umfeld bieten, in dem es sich gut entfalten kann.“

„Und wie sollen wir das machen Frau Doktor?“ Fragen die Eltern dann immer.

„Sie können Ihr Kind auf den Gebieten fördern, auf denen es besondere Talente und Vorlieben aufweist. Ist es ein musisches Kind oder besonders sportlich, mag es Tiere oder will es lieber malen? Wo ist ihr Kind gut und was mag es am liebsten machen? An diesen Stellen möchten Ihre Kinder von Ihnen unterstützt werden.“

Bei Nina stellte sich heraus, dass sie liebend gerne tanzen gehen wollte. Sie wollte so gerne in eine Cheerleader Gruppe.

Die Entscheidung stand auch schon in der Praxis fest. Gleich morgen wollten sich die Eltern gemeinsam mit ihr um den Besuch einer Cheerleader Gruppe kümmern. Eigentlich schon heute Abend bei der Recherche im Internet.

Als Nina und Ihre Eltern glücklich meine Praxis verließen, war es, als wären sie nicht gekommen, um die Last einer schweren Krankheit zu erfahren, um sie mitzunehmen, sondern, als hätten sie mit ADHS die Bestätigung dafür gefunden, was für ein tolles Kind sie haben. Etwas, was sie auch schon wussten, bevor sie in meine Praxis kamen.

Ich lehnte mich zurück und fühlte,

dass ich nicht gleich die nächsten Patienten aufrufen, sondern doch einen Moment für mich sein wollte. Die Begegnung mit diesem Kind, das mich anguckte und zu mir sagte: „Ich will nicht so sein, ich will normal sein“ hatte mich um viele Jahrzehnte zurück versetzt, zurück in meine eigene Kindheit.

„Ich will nicht so sein. Ich will normal sein“ hallte Ninas Stimme in meinem Kopf. Als würde ich sie angucken und doch in mein eigenes Spiegelbild schauen. Denn als Kind hatte ich mir auch nichts sehnlicher gewünscht, als „normal zu sein“, so zu sein, wie alle anderen Kinder auch.

Ich muss sagen, dass ich in der Hinsicht, die liebevollsten Eltern hatte, die man haben kann. Sie haben von mir nie verlangt, so zu sein wie die anderen. Im Gegenteil. Sie haben mich immer darin bestärkt, so zu sein, wie ich war. Meine Mutter sagte zu mir immer: „Du bist wie Du bist und Du bist richtig so“.

Das hat zwar nichts an meinem Wunsch geändert, normal zu sein, oder so zu sein, wie alle anderen auch, aber etwas in mir hat immer nach Antworten gesucht, warum ich so bin, wie ich bin. Und auch, warum die Welt so eingerichtet ist wie sie ist. Immer hinter die Dinge zu schauen, um herauszufinden, wieso etwas so ist, wie es ist. So bin ich zur Psychologie gekommen.

… Die Sache mit dem „Video-Training als Therapeutin“ und meine Erkenntnisse davon.

Und … so bin ich zum ADHS gekommen und seither beschäftige ich mich damit …

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